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Glossar

Was ist eine Session Zero? (Plus Safety Tools für Rollenspiele)

26. Mai 2026
6 min

Was ist eine Session Zero? (Plus Safety Tools für Rollenspiele)

Eine Session Zero ist ein Treffen vor Kampagnenbeginn, bei dem sich die ganze Gruppe zusammensetzt, noch bevor das eigentliche Spiel losgeht, um sich über Ton, Inhalte, Termine, Charaktere und Tischregeln abzustimmen. Stell sie dir als die Planungssitzung vor, die der „Session Eins" vorausgeht. Niemand bekämpft einen Goblin oder würfelt auf Initiative. Stattdessen einigt ihr euch darauf, welche Art von Geschichte ihr gemeinsam erzählen wollt und wie sie sich anfühlen soll.

Sie ist einer der nützlichsten (und am häufigsten übersprungenen) Teile beim Start eines neuen Pen-&-Paper-Rollenspiels. Die gute Nachricht: Sie muss weder lang noch förmlich sein. Ein konzentriertes Gespräch bei ein paar Snacks erfüllt seinen Zweck.

Warum sie wichtig ist

Jede Person kommt mit einem eigenen Bild im Kopf an den Tisch. Die eine stellt sich düsteren Survival-Horror vor, die andere erwartet heroische High Fantasy mit schlagfertigen Wortgefechten. Ohne eine Session Zero prallen diese Bilder mitten in der Kampagne aufeinander, und am Ende ist jemand enttäuscht.

Eine Session Zero verhindert auseinanderlaufende Erwartungen. Sie schafft eine gemeinsame Vision, damit sich alle auf dasselbe freuen. Und sie macht die Kampagne reibungsloser, weil ihr die unangenehmen organisatorischen Fragen bereits geklärt habt und die eigentlichen Spielsitzungen wirklich fürs Spielen nutzen könnt.

Kurz gesagt: Ein bisschen Planung vorab schenkt euch später jede Menge mehr Spaß.

Was eine Session Zero abdecken sollte

Du musst nicht alles besprechen, aber hier ist eine solide Checkliste, aus der du schöpfen kannst:

  • Genre und Ton: Geht es um leichtes Abenteuer, raue Dark Fantasy, Komödie oder politische Intrigen? Legt die emotionale Grundstimmung fest.
  • Themen und inhaltliche Grenzen: Welche Themen sind am Tisch willkommen, und welche sind tabu? (Mehr zu Werkzeugen dafür weiter unten.)
  • Art der Kampagne: Ein Sandbox (eine offene Spielwelt, in der die Spielenden frei umherziehen und die Handlung selbst vorantreiben) oder eine stärker geführte Geschichte mit einem klaren roten Faden? Beides ist legitim; macht nur deutlich, welche Variante ihr spielt.
  • Charaktererschaffung und Verbindungen in der Gruppe: Erschafft die Charaktere gemeinsam, damit sie auch wirklich Gründe haben, als Gruppe zusammen zu reisen. Eine Gruppe von Fremden ohne gemeinsames Ziel ist ein schwieriger Start. In D&D 5e ist das auch ein guter Moment, um euch auf das Startlevel, die Methode für die Attributswerte (Standard-Array, Point Buy oder Auswürfeln) und die erlaubten Regelwerke zu einigen.
  • Termine: Wie oft trefft ihr euch, wie lange, und was passiert, wenn jemand nicht kann?
  • Tischetikette: Handys, Nebengespräche, das Teilen des Rampenlichts, der Umgang mit Regelmeinungsverschiedenheiten.
  • Hausregeln: Alle Abweichungen von den offiziellen Regeln. Beliebte Beispiele in 5e sind Flankenboni oder Spielende eine „natürliche 1" mit Konsequenzen würfeln zu lassen. Beachtet aber: Das sind Hausregeln, nicht Teil des Grundspiels.

Diese Entscheidungen festzuhalten, hilft. Die geteilten Notizen und Handouts von Mini Kraken geben euch einen einfachen Ort, um festzuhalten, worauf sich die Gruppe geeinigt hat, sodass ein „Moment, hatten wir Homebrew-Völker erlaubt?" später keine Sitzung mehr entgleisen lässt.

Safety Tools

Safety Tools sind einfache, gemeinsam vereinbarte Techniken, die dafür sorgen, dass die Inhalte für alle am Tisch angenehm bleiben. Es geht dabei nicht darum, die Geschichte zu zensieren; es geht darum, sicherzustellen, dass die Geschichte für echte Menschen Spaß macht. Hier sind die gebräuchlichsten.

Lines and Veils. Eine Line (Linie) ist ein klares „Nein" — ein Thema, das laut Vereinbarung der Gruppe überhaupt nicht im Spiel vorkommt. Ein Veil (Schleier) ist ein Thema, das existieren darf, aber abseits der Szene stattfindet, also ausgeblendet wird, statt im Detail beschrieben zu werden. Ihr legt diese gemeinsam fest und könnt sie im Laufe der Zeit ergänzen.

Die X-Card. Bekannt gemacht vom Designer John Stavropoulos, erlaubt es die X-Card jedem, auf eine Karte zu tippen (oder die Hand zu heben oder „X" zu sagen), um zu signalisieren, dass ein Moment herausgeschnitten oder übersprungen werden soll — ganz ohne Erklärung. Das Spiel geht einfach darüber hinweg. Es ist eine schnelle, reibungsarme Möglichkeit, die Bremse zu ziehen.

Die Open-Door-Regel. Eine grundsätzliche Vereinbarung, dass jede Person jederzeit, aus jedem Grund und ohne Wertung vom Tisch aufstehen darf. Brauchst du eine Pause? Die Tür steht immer offen, und du bist jederzeit wieder willkommen.

Zusammen angewendet, geben diese Werkzeuge den Spielenden einfache, respektvolle Möglichkeiten, die Inhalte zu lenken, ohne den ganzen Abend zu unterbrechen.

Safety Tools sind nicht nur für düstere Spiele

Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass Safety Tools nur etwas für düstere oder reife Kampagnen seien. Stimmt nicht. Sie helfen jedem Tisch, auch den fröhlichen, komödiantischen.

Warum? Weil sie Vertrauen aufbauen. Wenn die Spielenden wissen, dass es einen klaren, vorwurfsfreien Weg gibt, Unbehagen zu signalisieren, entspannen sie sich und gehen mutiger ins Spiel. Ironischerweise führen gute Safety Tools oft zu mutigerem, dramatischerem Erzählen, nicht zu zahmerem Spiel. Sie sind eine kleine Investition, die es allen leichter macht, sich kopfüber hineinzustürzen.

Verwandte Begriffe

Ein paar benachbarte Konzepte, die man kennen sollte:

  • Railroading vs. Sandbox: „Railroading" beschreibt eine Spielleitung, die die Spielenden auf einen einzigen festgelegten Pfad zwingt; eine „Sandbox" gibt den Spielenden die Freiheit, ihre eigene Richtung zu wählen.
  • Player Agency (Spielerhandlungsfreiheit): Das Ausmaß, in dem die Entscheidungen der Spielenden die Welt und die Geschichte tatsächlich spürbar beeinflussen.
  • Homebrew: Selbst erstellte Inhalte (Monster, Regeln, Gegenstände, Settings), die eure Gruppe entwirft, statt sie aus offiziell veröffentlichtem Material zu beziehen.
  • Tischregeln: Die gemeinsamen sozialen Vereinbarungen, etwa Etikette und Hausregeln, die dafür sorgen, dass euer konkreter Spieltisch gut läuft.

Macht eine Session Zero, sucht euch ein paar Safety Tools aus, die zu eurer Gruppe passen, und ihr startet eure nächste Kampagne auf einem soliden, gemeinsamen Fundament. Und dann ran an die Würfel.